Die Kunst, Fotografien zu sammeln

Text Micha Van Dinther
Photo ©Falsterbo Photo Art Museum

Museet i solnedgång

Eine Liebe auf den ersten Blick zur Fotokunst hat Christina und Claes Lindquist auf eine atemberaubende Reise geführt – von Kunstliebhabern zu einigen der führenden Sammler und Aussteller zeitgenössischer Fotokunst in Skandinavien. Ihre Sammlung, die in 20 Jahren auf mehr als 600 Werke angewachsen ist, ist das Ergebnis eines außergewöhnlich gut eingespielten Duos auf der Suche nach Bildern, die begeistern, überraschen und herausfordern.

Falsterbo

Äta & mötas

Uppleva & utforska

Die Wände im Zuhause von Christina und Claes Lindquist sind alles andere als skandinavisch reduziert und weiß. Wohin der Blick auch fällt, begegnet man farbintensiver Fotokunst: eine halbnackte Pamela Anderson in provokanter Pose, fotografiert von David LaChapelle, Peter Lindberghs ikonisches Foto The Wild Ones oder ein auffälliges Werk aus Chen Mans Serie Long Live the Motherland. Das ganze Haus ist durchzogen von visuellen Gesprächsanlässen.

„Kunst war immer ein Teil unseres Lebens, aber erst als wir vor 20 Jahren begannen, uns intensiver mit Fotokunst zu beschäftigen, merkten wir eine deutliche Veränderung“, erinnert sich Claes. „Freunde und Familie, die zuvor kaum Notiz von den Ölgemälden an den Wänden genommen hatten, blieben plötzlich stehen, stellten Fragen und zeigten echte Faszination für die Fotografien.“

Christina nickt zustimmend und ergänzt:
„Das war wirklich spürbar. Unsere ersten fotografischen Werke waren stark modebezogen. Eines davon war ein ikonisches Schwarz‑Weiß‑Foto von Herb Ritts, bekannt für seine stimmungsvollen und ausdrucksstarken Bilder. Es waren nicht nur die Werke selbst, die Interesse weckten, sondern auch die Geschichten hinter jedem einzelnen Bild.“

Christina und Claes, beide in Borås aufgewachsen, fanden schon mit 16 und 18 Jahren zueinander. In der Stadt, die für ihre Textilindustrie bekannt ist, waren Kunst und Design ein natürlicher Teil des Alltags – nicht zuletzt, weil Christinas Mutter und Claes’ Vater beide in der Textilbranche arbeiteten. Christina hatte im Laufe der Jahre verschiedene Berufe, vom Betrieb eines Reinigungsunternehmens bis zum Verkauf von Küchen, während Claes aus der Wirtschaft kommt, unter anderem bei Svenskt Näringsliv aktiv war und eine zentrale Rolle in einem Weinimportunternehmen spielte.

Für Christina und Claes ist jedes Werk Teil eines eigenen Kapitels ihrer Lebensgeschichte.

Tavla som föreställer David Bowie och Kate Moss

– Vi har ett starkt fokus på modefotografi i vår samling, även om vi också har annat. Vad som gör just modefotografiet intressant är att det tänjer på gränserna, säger Claes.

Claes och Christina framför en tavelvägg.

Christina och Claes, som båda växte upp i Borås, fann varandra redan vid 16 och 18 års ålder. 

Die gemeinsame Leidenschaft für Kunst führte dazu, dass Christina und Claes zunächst Ölgemälde und Lithografien sammelten – soweit es die finanzielle Situation erlaubte. Doch eine Reise nach London und Paris, bei der sie ihre ersten beiden Werke der Fotokunst erwarben, veränderte alles. Zwanzig Jahre später umfasst die Sammlung etwas mehr als 600 Werke.

„Der Schwerpunkt unserer Sammlung liegt auf Modefotografie, auch wenn wir vieles andere haben“, sagt Claes. „Was Modefotografie so spannend macht, ist ihre Grenzüberschreitung. Die Bilder sind voller Fantasie, weil Modefotografen große Magazine wie Vogue und Harper’s Bazaar immer wieder dazu gedrängt haben, so künstlerisch und spektakulär wie möglich zu sein.“

Mit dem Wachstum der Sammlung und dem Schwinden freier Wandflächen wurde schnell klar, dass das Zuhause nicht mehr ausreichen würde.

„Es fühlte sich sinnlos an, die Werke einfach einzulagern – wir konnten sie ja kaum selbst genießen“, erzählt Christina. „Also begannen wir, nach einem Ort zu suchen, an dem sie für alle zugänglich wären. Wir sahen uns vor allem in Kopenhagen um und waren dreimal kurz davor, etwas zu kaufen. Dann lasen wir, dass das Falsterbo Strandbad leer stand, und nahmen Kontakt mit der Gemeinde Vellinge auf. Ein halbes Jahr später eröffneten wir das Falsterbo Photo Art Museum – ein Fotomuseum, das in Europa in dieser Form einzigartig ist.“

Auch wenn das Interesse an Fotokunst in Skandinavien Zeit brauchte, sehen Christina und Claes eine klare Entwicklung.

„In Schweden war Fotokunst lange etwas Neues und Unbekanntes“, sagt Claes. „Nur wenige Galerien zeigten solche Werke, und viele wussten gar nicht, dass Fotografie Kunst sein kann.“

„Große Städte wie Paris, Berlin, London und New York sind im Bereich der Fotografie schon lange führend“, fährt er fort. „In New York eröffnete zum Beispiel die auf Fotokunst spezialisierte Staley‑Wise Gallery bereits 1981. Anfangs wurde darüber gelacht – heute werden Fotografien von Richard Avedon, die sie einst verkauften, für zig Millionen gehandelt.“

Tavlor med fotokonst som hänger på väggarna i museet

Zur Frage, wie sich die Modefotografie im Laufe der Zeit verändert hat, meint Claes:

„Modefotografie ist leider etwas glatter geworden – ein bisschen wie in den 1930er‑ und 40er‑Jahren, als die Models einfach nebeneinander standen. Aber es gibt nach wie vor Fotografen wie Steven Klein, die Risiken eingehen. Insgesamt ist eine größere Vorsicht spürbar, besonders im Zusammenhang mit Bewegungen wie #MeToo.“

„Gleichzeitig sehen wir eine spannende Entwicklung bei Fotografen aus Südamerika und Afrika“, ergänzt Christina. „Sie bringen oft unglaublich viel Farbe und spektakuläre Ausdrucksformen mit.“

Christina und Claes verbindet eine tiefe Leidenschaft für Fotokunst, die nicht nur ihre Beziehung stärkt, sondern ihr gemeinsames Leben prägt. Für sie ist jedes Werk Teil eines eigenen Kapitels ihrer Lebensgeschichte.

„Einen Lieblingsfotografen oder ein Lieblingsbild zu wählen, ist fast unmöglich – wir lieben so viele“, sagt Christina. „Wenn wir zu den älteren Werken zurückkehren, ist es, als würde man sich neu verlieben. Aber ich habe persönlich eine besondere Verbindung zu David LaChapelle, weil er einer der ersten Fotografen war, die wir gesammelt haben, und weil wir persönlichen Kontakt zu ihm und seiner Muse hatten.“

Wenn es darum geht, neue Werke auszuwählen, scheint ihre Abstimmung beinahe telepathisch.

„Auf einer Ausstellung wählt jeder von uns seine drei Favoriten – und erstaunlich oft sind es dieselben Werke“, sagt Claes. „Das bestätigt nur, wie ähnlich wir über Kunst denken und fühlen.“

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In Schweden war Fotokunst lange etwas Neues und Unbekanntes. Viele wussten nicht einmal, dass Fotografie Kunst sein kann."

Claes Lindquist